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Fehleranalyse und Fehlerkorrektur

Grundsätzlich begeht ein Spieler im Tischtennissport einen Fehler, wenn er den Ball nicht mehr den Regeln entsprechend auf die gegnerische Tischhälfte zurückspielt, so dass der Kontrahent einen Punkt erhält (siehe „Grundregeln“).

Im Vordergrund steht demnach das Erzielen von Punkten, doch ein Spieler kann verschiedene Arten von Fehlern begehen, zum Beispiel technische oder taktische.
Bei einem technischen Fehler weicht die Ausführung des Schlages von der Idealtechnik ab. Bei einem taktischen Fehler dagegen berücksichtigt ein Spieler etwa nicht die eigenen Stärken und Schwächen sowie die Stärken und Schwächen des Gegners und platziert die Bälle so, dass er selbst in eine schlechte Ausgangslage für den Ballwechsel kommt.
Ein Trainer muss bei der Analyse von Fehlern also darauf achten, um welche Art von Fehlern es sich bei seinem Spieler handelt und wie er diese Fehler am besten korrigieren kann.

Häufig wird im Tischtennissport jedoch zu früh und zu viel korrigiert, weil Trainer Fehler bei ihren Schützlingen unbedingt vermeiden wollen. Dadurch bleibt der individuelle Lernprozess der Kinder jedoch auf der Strecke, da diese nicht selbstständig aus ihren eigenen Fehlern lernen können.
Deshalb sollte – gerade im Anfängerbereich – das Prinzip des „try and error“ (Versuch und Irrtum) oder wie Johann Wolfgang von Goethe bereits wusste: „Wenn Du nicht irrst, kommst Du nicht zu Verstand“, Anwendung finden.
Nur so stellt der Fehler eine Rückmeldung dar und die Kinder können selbst über ihre Fehler reflektieren und die notwendigen Konsequenzen ziehen. Finden sie selbst eine Lösung, so ist der Lernfortschritt bedeutend größer, als wenn die Lösung vom Trainer einfach vorgegeben wird. Außerdem wird ihr Selbstvertrauen durch eigenständige Fortschritte gestärkt.
Erst wenn die Kinder nach einer Weile selbst keine Lösung finden, sollte der Trainer eingreifen und versuchen, die Fehler zu beheben. Entscheidend ist der richtige Zeitpunkt, denn der Trainer sollte nicht zu früh eingreifen, darf aber auch nicht zu spät reagieren, da sich ansonsten falsche Bewegungsabläufe automatisieren könnten.


1. Fehler
1.1 Fertigkeitsorientierte Fehlerdefinition
1.2 Handlungsorientierte Fehlerdefinition
1.3 Taktischer Fehler
1.4 Technischer Fehler
2. Sichtbare Fehlerursachen
2.1 Beinbereich
2.2 Arm-Schlägerbereich
2.3 Koordination von Teilbewegungen
3. Unsichtbare Fehlerursachen
3.1 Bewegungssteuerung
3.2 Kenntnisse
3.3 Spielfähigkeit
3.4 Psyche
4. Funktionsphasenmodell nach Göhner
5. Fehlerursache-Folgefehler-Konzeption nach Bremer
6. Phasen der Fehlerkorrektur
6.1 Analyse des Bewegungsablaufes
6.2 Planung der Fehlerkorrektur
6.3 Durchführung der Fehlerkorrektur


1. Fehler

Der misslungene Lösungsversuch einer Spielaufgabe, der zum eigenen Nachteil oder Punktverlust führt.


1.1 Fertigkeitsorientierte Fehlerdefinition

Die fertigkeitsorientierte Methodik vermittelt einzelne Techniken, zum Beispiel Vorhandtopspin oder Rückhandblock und strebt eine sollwertnahen Bewegungsausführung an, bei der kein Abweichen der „Ist-Technik“ (tatsächlich ausgeführte Technik) von der „Soll-Technik“ (optimale ausgeführte Technik) erlaubt ist.
Die Ursachen der Fehler werden hauptsächlich im Bereich der Bewegungsausführung gesucht.


1.2 Handlungsorientierte Fehlerdefinition

Die Handlungsorientierte Methodik nimmt dagegen die Position ein, dass die einzelnen Techniken einen funktionalen Charakter haben, also dem Erreichen eines Handlungszieles dienen, zum Beispiel den Punkt erzielen, den Ball geschickt platzieren oder dem Ball eine bestimmte Rotation verleihen.
Ein Fehler liegt vor, wenn das Resultat der Technikausführung dem Handlungsziel nicht entspricht.
Die Ursachen der Fehler werden im gesamten Handlungsprozess gesucht, etwa in der Motivation des Sportlers, der Wahrnehmung und Antizipation und natürlich auch im Bereich der Bewegungsausführung.


1.3 Taktischer Fehler

Abweichung einer Entscheidung oder Handlung vom optimalen Modell zur Lösung einer Situation, der die Effektivität der Tätigkeit mindert.


1.4 Technischer Fehler

Abweichung des Bewegungsablaufes vom jeweiligen Technikmodell, der die Effektivität einer sportlichen Technik mindert.


2. Sichtbare Fehlerursachen

2.1 Beinbereich

• Beinstellung (Ausgangstellung, Side-Steps, Kreuzschritte, Sprünge)
• Entfernung des Körpers zum Ball (zu nah oder zu weit)
• Anpassung der Körperstellung an die Flugbahn des Balles (Ballhöhe)


2.2 Arm-Schlägerbereich

• Schlägerhaltung (Vorhand- oder Rückhandgriff, Griff zu locker oder zu verkrampft)
• Ausholphase (zu früh oder zu spät)
• Schlagphase (zu früh oder zu spät)
• Trefferphase (zu früh oder zu spät)
• Ausschwungphase (zu lang oder zu langsame Rückführung des Schlägers)
• Handgelenkseinsatz (zu wenig Handgelenksunterstützung in der Schlag- und Trefferphase)


2.3 Koordination von Teilbewegungen

• Beinbereich
• Koordination von Teilbewegungen
• Arm-Schlägerbereich


3. Unsichtbare Fehlerursachen

3.1 Bewegungssteuerung

• Bewegungsvorstellung
• Zeitgefühl (Timing)
• Ballgefühl
• Dynamik


3.2 Kenntnisse

• Rotation
• Material
• Taktik
• Biomechanik

Definition Biomechanik
Ihre Absicht ist es, an Lebewesen – bios ist das griechische Wort für Leben – das mechanisch zu erklären, was seinem Wesen nach mechanisch ist und demzufolge nur mechanisch erklärt werden kann. Dabei ist es selbstverständlich, dass biologische Bedingungen eine wichtige Rolle spielen und deshalb zu berücksichtigen sind. Im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen Bewegung und Belastung des menschlichen Körpers, aber auch technische Ausstattungen und Hilfsmittel.
Körperaktivitäten erfordern spezifische Interpretationen von Kräften, Drehmomenten und resultierenden Bewegungsimpulsen des Körpers, der Körperteile oder der Sportgeräte; dabei ist unter anderem zu berücksichtigen, dass der Körper träge und bei gespannter Muskulatur elastisch ist, dass er der Schwerkraft unterliegt und Widerstände erfährt. Es gibt also immer viele biomechanische Zusammenhänge bei sportlichen Bewegungen.
(Georg Kassat: Biomechanik für Nicht-Biomechaniker. 1993, S.V-VI)


3.3 Spielfähigkeit

• Wahrnehmung und Antizipation
• Spielübersicht
• Automatisierte Handlungsprozesse


3.4 Psyche

• Motivation
• Stress
• Angst
• Umwelteinflüsse
• Falsche Selbsteinschätzung


4. Funktionsphasenmodell nach Göhner

Mit seinem Funktionsphasenkonzept hat Göhner versucht, Einordnungsmerkmale zu entwickeln, durch die bei der Analyse von Bewegungen das Wichtige von weniger Wichtigem getrennt wird.

Dabei geht Göhner zwei Ausgangsfragen nach:
1. Welchen Fehler soll zuerst korrigiert werden, wenn bei einem Bewegungsablauf mehrere Fehler zur gleichen Zeit auftreten?
2. In welcher Phase der Bewegung liegt der Hauptfehler?

Göhner unterscheidet Bewegungsabläufe in drei Bereiche:
1. Hauptfunktionsphase: zentrale Bedeutung (Welche Teilbewegung hat für das Gelingen der Gesamtbewegung die zentrale Bedeutung?)
2. Hilfsfunktionsphase 1. Ordnung: vorbereitende Bedeutung (Welche Aktionen sind unabdingbare Voraussetzung für das Hauptelement?)
3. Hilfsfunktionsphase 2. Ordnung: unterstützende Funktion (Welche Bewegungsmerkmale besitzen mehr eine unterstützende oder überleitende Funktion?)

Auf den Tischtennissport bezogen bedeutet dies, dass der Bewegungsspielraum in der Ausholphase und der Ausschwungphase relativ groß ist (Hilfsfunktionsphase 2. Ordnung).
In der Schlagphase verringert sich der Bewegungsspielraum deutlich (Hilfsfunktionsphase 1. Ordnung) und im Balltreffpunkt besteht kein Bewegungsspielraum mehr zum optimalen Bewegungsablauf (Hauptfunktionsphase).


5. Fehlerursache-Folgefehler-Konzeption nach Bremer

Bei diesem Modell muss man berücksichtigen, dass Tischtennis eine azyklische Sportart ist und dass zweckgerichtete Beziehungen zwischen den einzelnen Schlagphasen bestehen. Fehlerhafte Ausführungen in der Hauptfunktionsphase (Balltreffpunkt) sind deshalb nach Bremer die Folge falscher Auftaktbewegungen, zum Beispiel Gewichtsverlagerung auf den falschen Fuß, falsche Koordination von Arm und Handgelenk oder eine falsche Ausgangstellung des Armes vor dem Schlag.
Die Korrektur der Fehler muss also nicht im Balltreffpunkt stattfinden, sondern in den Hilfsfunktionsphasen, also der Ausholphase und Schlagphase.


6. Phasen der Fehlerkorrektur

6.1 Analyse des Bewegungsablaufes

• Untersuchung eines Bewegungsablaufes im Vergleich zur optimalen Bewegungsausführung mit dem Ziel, technische Fehler zu erkennen und zu korrigieren. Dabei ist es nötig, auch die Fehlerursachen festzustellen.


6.2 Planung der Fehlerkorrektur

• 1. Soll eine Korrektur durchgeführt werden? Der Trainer muss abschätzen, wie groß die Bedeutung des Fehlers für das Spiel des Sportlers ist.
• 2. Den Grad der Korrektur festlegen. Reicht eine Teilkorrektur aus oder soll im Hinblick auf die Idealtechnik korrigiert werden?
• 3. Korrekturschwerpunkt festlegen. Sollten bei einem Bewegungsablauf mehrere Fehler auftreten, so muss der Trainer darüber entscheiden, welcher Fehler zuerst korrigiert wird.
• 4. Korrekturmaßnahmen bestimmen.


6.3 Durchführung der Fehlerkorrektur

• 1. Verbale Lernhilfen (verbale Anweisungen)
• 2. Visuelle Lernhilfen (Schattentraining, Spiegel, Videoanalyse)
• 3. Taktile Lernhilfen (Armführung durch den Trainer)
• 4. Akustische Lernhilfen (Rhythmisierung durch Musik, Klatschen oder Pfeifen)
• 5. Korrektur mit Hilfsmitteln (Balleimer, Roboter, Topspin-Rad, Return-Brett)
• 6. Korrektur durch Training des schwachen Armes (Koordinationstraining, Bildung von neuen Synapsenverbindungen [Synapse: Anschlussstelle zwischen zwei Nervenzellen oder Nerven- und Muskelzelle zur Informations- und Reizübertragung] im Gehirn)

© 2006 - 2012 by Marcel und Maurice Sillus