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Materialkunde

Das Material spielt im Tischtennis eine entscheidende Rolle. Selbst ein noch so talentierter Spieler ist ohne gutes Material nahezu chancenlos.
Auch sollte man etwas über die Spieleigenschaften der verschiedenen Materialien wissen, um die für sich individuell beste Lösung für seine Spielweise zu finden. Zuletzt ist ein theoretisches Wissen – vor allem über die verschiedenen Belagarten – eine Grundvoraussetzung, um sich überhaupt auf die ankommenden Bälle, zum Beispiel von Noppenbelägen, einzustellen.


1. Ball
1.1 physikalische Eigenschaften
1.2 Qualitätsstufen
1.3 Farben
1.4 Herstellung
2. Holz
2.1 Material
2.2 Sweet-Spot
2.3 Schlägergriff
3. Belag
3.1 Noppen-Innen-Beläge
3.2 Anti-Topspin-Beläge
3.3 Noppen-Außen-Beläge
3.3.1 Kurze Noppen
3.3.2 Lange Noppen
3.3.3 Noppengummi
3.4 Kombischläger
3.5 Spiel gegen Material
3.6 Taktik gegen Material
3.7 Die wichtigsten Schlagkombinationen gegen Materialspieler
4. Frischkleben
5. offizielle Zulassung


1. Der Ball

1.1 physikalische Eigenschaften

Die physikalischen Eigenschaften für einen wettkampftauglichen Ball sind genau vorgeschrieben.
Der Ball besteht aus Zelluloid oder einem ähnlichen Kunststoffmaterial. Er hat einen Durchmesser von 40 Millimeter, ist gleichmäßig rund, hohl und wiegt 2,7 Gramm.
Lässt man den Ball aus einer Höhe von 30 Zentimetern auf einen Tischtennistisch fallen, so muss der Ball mindestens 23 Zentimeter hoch abspringen.
Bis zum Jahr 2000 spielte man noch mit 38-Millimeter-Bällen, die ein Gewicht von 2,5 Gramm hatten. Ein Wettkampfball musste damals 23,5 bis 25,5 Zentimeter hoch abspringen, wenn er aus einer Höhe von 30,5 Zentimeter auf einen Tischtennistisch fallen gelassen wurde.

Durch die Vergrößerung des Balles auf 40 Millimeter erhoffte man sich eine Reduzierung der Fluggeschwindigkeit und damit verbunden eine Reduzierung des Spieltempos. Dadurch sollten wieder längere und attraktivere Ballwechsel für die Zuschauer entstehen. Zudem erhofften sich die Verantwortlichen eine größere Fernsehpräsenz der Sportart Tischtennis.
Durch die Weiterentwicklung des Schlägermaterials mit schnelleren Hölzern, sprungfreudigeren Belägen und verbesserten Frischklebetechniken ist die Spielgeschwindigkeit trotz des größeren Balles mindestens gleich geblieben.


1.2 Qualitätsstufen

Tischtennisbälle werden in verschiedene Qualitätsstufen eingeteilt, die durch die Anzahl der aufgedruckten Sterne voneinander zu unterscheiden sind. Je höher die Qualitätsstufe ist, desto geringer sind die Abweichungen in Bezug auf Rundung, Härte und Oberfläche sowohl von der Idealform als auch der Bälle untereinander. Die höchste Qualität erreichen folglich 3-Sterne-Bälle.
Die niedrigste Qualitätsstufe haben Trainingsbälle, die keinen Stern haben und meistens in großen Stückzahlen verkauft werden. Sie werden in der Regel für das Nachwuchstraining, beim Balleimertraining oder beim Training mit Ballmaschinen verwendet.
Trainingsbälle unterscheiden sich erheblich in ihrer Qualität. Vereinzelt werden noch Bälle mit außenliegender Naht und leicht erhöhtem Gewicht angeboten, die jedoch nur für Hobbyspieler geeignet sind, die im Freien oder auf Steinplatten spielen. Das Flug- und Absprungverhalten dieser Bälle ist einfach zu unbeständig, um den Anforderungen des modernen Tischtennisspiels gerecht zu werden. Qualitativ hochwertige Trainingsbälle sind dagegen visuell von 3-Sterne-Bällen kaum oder überhaupt nicht zu unterscheiden.
Selektierte Reihen, wie sie von einigen Firmen angeboten werden, erreichen die Qualität von 1-Stern- oder 2-Sterne-Bällen, sind wegen der fehlenden ITTF-Zulassung aber deutlich preiswerter.
1-Stern- oder 2-Sterne-Bälle werden aber mittlerweile kaum noch angeboten. Normalerweise bieten die Hersteller nur noch Trainingsbälle und 3-Sterne-Bälle an.

Bälle - Farben & Qualitätsstufen

Die Bälle müssen beim Tischtennis große Belastungen aushalten, denn die Bälle können bis zu 200 Stundenkilometer schnell werden und verformen sich bei Schmetterschlägen um bis zu 25 Prozent. Aus diesem Grund haben bereits kleine Abweichungen des Balles deutliche Auswirkungen auf seine Spieleigenschaften. Daher sind bei Wettkämpfen 3-Sterne-Bälle vorgeschrieben.


1.3 Farben

Tischtennisbälle sind in den Farben weiß, orange und gelb erhältlich. Zudem gibt es Bälle mit aufgedruckten Bildern, Schriftzügen oder Werbeaufdrucken, die jedoch nicht für den Wettkampf zugelassen sind, wo nur mit mattweißen und mattorangenen Bällen gespielt werden darf.
Eine Vorgabe, dass auf grünen Tischen mit weißen Bällen und auf blauen oder violetten Tischen mit orangenen Bällen gespielt werden muss, existiert nicht. Jede Farbkombination ist also möglich.
Zu Trainingszwecken gibt es auch zwei- oder dreifarbige Bälle, etwa in der Farbkombination rot-weiß oder rot-weiß-blau, damit der Sportler die Rotation des Balles besser erkennen kann.

Bälle - weiß & gelb

1.4 Herstellung

Für die Herstellung eines Tischtennisballes werden Zelluloidplatten verwendet. Aus diesen werden kleine Runde Scheiben ausgestanzt oder ausgeschnitten, die dann auf 100 Grad Celsius erhitzt werden. Sie werden dann durch ein Tiefziehverfahren in eine Hohlform gepresst und dadurch in Halbkugel mit einem Rand verwandelt.
Die Ränder der Halbkugeln werden beschnitten und mit Hilfe von Aceton miteinander verklebt. Diese Rohform des Balles wird danach erneut an der Klebenaht beschnitten und anschließend durch Erhitzen in einer Kugelform auf die endgültige Größe aufgeblasen.
Zum Schluss werden die Bälle in einer rotierenden Trommel mit Hilfe von Bimsmehl auf ihr Endgewicht rundgeschliffen.
Nach der Herstellung durchlaufen die Bälle noch einen Selektionsprozess, der sie maschinell auf Gewicht, Härte und Rundung prüft.
Bis zur Benutzung müssen die Bälle noch gelagert werden, um Lösemittelrückstände verdunsten zu lassen. Dies geschieht häufig während des mehrwöchigen Transportes der Bälle per Schiff von Asien, wo sie heutzutage gefertigt werden, zu ihrem jeweiligen Einsatzort.


2. Das Holz

2.1 Material

Das Schlägerholz besteht aus mehreren Schichten, die miteinander verklebt sind. Es können auch Schichten aus Kunststoff verwendet werden, aber das Schlägerholz muss zu mindestens 85 Prozent aus Holz bestehen.
Harte Holzarten wie Nussbaum, Mahagoni oder Buche machen das Holz schnell und eignen sich daher für Angriffspieler. Weiche Hölzer wie Weide, Birke oder Pappel machen das Holz langsam und werden deshalb von Abwehrspielern bevorzugt.

Moderne und qualitativ hochwertige Schlägerhölzer sind normalerweise Kombinationen aus harten und weichen Hölzern. So benutzt man zum Beispiel Furnierkerne aus dem leichten und weichen Balsa, ein oder mehrere Sperrfurniere aus harten beziehungsweise härteren Hölzern wie Nussbaum oder Mahagoni und dann wieder ein weicheres Außenfurnier aus Limba oder Balsa. So erhält man Schlägerhölzer, die ein sehr hohes Spieltempo ermöglichen, ohne dass der Spieler auf das Ballgefühl verzichten muss. (Unter Ballgefühl versteht man die Rückmeldung des Balles im Treffpunkt über das auditive und das haptisch-taktile Sinnessystem.)

Besonders vorteilhaft für die langfristige Verzugsfreiheit und gleichmäßige Spieleigenschaften des Schlägerholzes ist die Verwendung von dünnen Schichten, so genannter Fineline-Furniere. Dabei wird ein Block aus vielen dünnen (0,5 mm – 1 mm) Schichten Balsa- oder Koto-Furnieren verleimt und anschließend quer zur Leimfuge wieder in Scheiben geschnitten. Das Furnier besteht somit aus einer Vielzahl feiner Furnierstreifen.
Durch die Verleimung ist das Material etwas schwerer als das sehr leichte Ausgangsmaterial, doch die Spieleigenschaften – besonders hinsichtlich der Ballkontrolle – sind durch die sehr gleichmäßigen Eigenschaften der Furniere sehr gut.
Sehr beliebt sind Fineline-Furniere auch im Griffbereich, weil durch die Verwendung verschiedenfarbiger Leime ansprechende optische Effekte erzielt werden können.

Eine wesentliche Rolle spielt neben der Auswahl des richtigen Holzes auch die Qualität und Art der Verleimung. Bei der Konstruktion eines neuen Modells werden häufig zwischen 20 und 50 Furniertypen gefertigt, getestet und wieder verworfen bis das Schlägerholz endlich den Vorstellungen seines Entwicklers entspricht.


2.2 Sweet-Spot

Ein entscheidendes Ziel bei der Entwicklung eines neuen Schlägerholzes ist die Vergrößerung der optimalen Trefferzone, auch Sweet-Spot genannt. Gemeint ist der Teil des Schlägerblattes, in dem der Ball bestmöglich beschleunigt und auch kontrolliert werden kann. Berechenbar ist der Mittelpunkt dieser optimalen Trefferzone bisher nicht.
Erfahrene Materialentwickler geben an, dass der Mittelpunkt dieser Zone irgendwo zwischen Schlägerschwerpunkt (grüner Punkt) und geometrischem Blattmittelpunkt (roter Punkt) liegt, wobei bei der Berechnung des geometrischen Blattmittelpunktes die Griffzone nicht berücksichtigt wird.
Untersuchungen zur Ermittlung der Größe und Lage der optimalen Trefferzone wurden bereits in den Jahren 1970/71 von Martin Sklorz, dem damaligen Bundeslehrwart des DTTB, an der Technischen Universität Braunschweig durchgeführt. Die daraufhin entwickelten Schläger mit abgeflachter Oberkante konnten sich aber am Markt – nicht zuletzt wegen der ungewöhnlichen Optik – nicht durchsetzen und verschwanden bereits nach kurzer Zeit wieder aus den Regalen der Tischtennishändler.

Sweet-Spot

Grafik: Schläger mit Sweet-Spot. Aus: Wikipedia. 23.5.2007.

Die Größe des Sweet-Spots kann durch Einbetten von komprimiertem Papier, Kevlar, Kohlenstofffaser oder Glasfaser in die Klebefuge verbessert werden. Leider wird – zumindest bei den drei erstgenannten Materialien – die Ballkontaktzeit drastisch verkürzt, was dann wiederum zu Lasten des Ballgefühls und der Rotation geht.
Seit einigen Jahren werden zu diesem Zweck auch Metallfolien in die Furniere eingebettet. Dies ist eigentlich nicht regelkonform, wird bislang aber von der ITTF toleriert.


2.3 Schlägergriff

Nachdem die Verbesserung des Schlägerholzes über die Furniere im Laufe der Jahre nur noch in sehr kleinen Schritten voranging, begann man an der Verbesserung der Schlägergriffe zu arbeiten.
Zwar gab es in der Vergangenheit schon immer Versuche, die Griffe zu verbessern, doch Konstruktionen wie zur Blattachse verschwenkte Griffe oder verstellbare Gewichtseinlagen wurden von den Tischtennisspielern nicht angenommen.

Schlägerholz mit Karbonrohr

Grafik: Schlägerholz mit Karbonrohr. Aus: Wikipedia. 23.5.2007.

Neuere Methoden wie das Aushöhlen und anschließende Ausschäumen der Griffe, die Versteifung mit Karbon-Hohlstäben oder Schwingungsdämpfung durch Kautschukeinlagen scheinen viel versprechende – und auch von den Spielern akzeptierte – Ansätze zu sein.

Tischtennisspieler stellen sich ihren Schläger normalerweise individuell nach ihrer Spielweise aus Holz und Belägen zusammen.
Entscheidend für ein gutes Schlägerholz sind die Spieleigenschaften des Schlägerblattes und der Schlägergriff. Der Griff kann verschiedene Formen haben. Im Wesentlichen sind dies:
• gerade
• konkav
• anatomisch
• konisch

Griffformen

Grafik: Griffformen. Aus: Wikipedia. 23.5.2007.

Mit einem geraden Schlägergriff kann ein Spieler während des Ballwechsels am leichtesten variieren, da er das Holz leicht in der Hand drehen kann. Somit kann er das Holz von Vorhand- zu Rückhandgriff gleiten lassen oder sogar um 180 Grad drehen, um Vorhand- und Rückhandseite zu vertauschen. Deswegen verwenden gerade Defensivspieler schlanke und gerade Griffe.
Konkave, anatomische oder konische Griffe lassen sich am Griffende leichter fixieren und dadurch ermüdungsfreier halten, weswegen sie bevorzugt von Offensivspielern benutzt werden.
Für Kinder gibt es spezielle Hölzer, die etwas kleiner sind als die normalen Schlägerhölzer für Erwachsene. Der Griff ist kürzer und schmaler, damit er besser in einer Kinderhand liegt.

Schläger - Kinder- & Erwachsenengriff

Bei Wettkampfschlägern haben sich unlackierte Griffe durchgesetzt, weil diese den Schweiß der Hand besser aufnehmen und in der Hand weniger rutschen. Trotzdem muss jeder Spieler den richtigen Griff für sich durch Ausprobieren herausfinden, denn jede Hand und jede Spieltechnik ist anders. Dies gilt es, aufeinander abzustimmen.
Häufig bearbeiten die Sportler auch den Griff nach dem Kauf, um ihm mit Feile und Sandpapier den letzten Schliff zu geben. Es werden auch Bänder um den Griff gewickelt, um ihn rutschfester zu machen.


3. Belag

Der Belag hat den größten Einfluss auf die Spieleigenschaften des Schlägers. Er bestimmt in großem Maße Tempo und Rotation.
Die Beläge auf den beiden Schlägerseiten müssen verschiedene Farben haben. Eine Seite muss leuchtend rot und die andere schwarz sein. Der Grund für diese Regelung liegt in der Tischtennishistorie. Vor 1984 war es erlaubt, dass die Beläge auf beiden Seiten – gemäß einer Bestimmung von 1961 – die gleiche Farbe haben dürfen. Allerdings entwickelte die Tischtennisindustrie immer neue Beläge mit sehr unterschiedlichen Spieleigenschaften, die sehr schnell oder sehr langsam waren, viel Rotation erzeugen konnten oder überhaupt keine. Viele Spieler nutzten dies für sich aus, indem sie auf beide Schlägerseiten gleichfarbige Beläge mit völlig verschiedenartigen Eigenschaften klebten. Beim Aufschlag und später auch während der Ballwechsel drehten sie dann den Schläger, so dass ihr Kontrahent nie wusste, mit welchem Belag geschlagen wurde. Dies führte besonders beim Rückschlag zu vielen und scheinbar leichten Fehlern, was das Spiel für Zuschauer unattraktiv machte.
Einige Spieler versuchten dann am Klang des Balles beim Auftreffen auf dem Schläger zu hören, mit welchem Belag der Aufschlag serviert wurde. Um auch dies zu verhindern, stampfte der Aufschläger im Balltreffpunkt mit dem Fuß auf den Hallenboden, um das Geräusch des Balles zu übertönen. Diese absurde Entwicklung beendete der ITTF-Kongress während der Tischtennisweltmeisterschaft 1983 in Tokio mit der Regel, dass ab 1. Januar 1984 bei allen internationalen Veranstaltungen jeder Spieler verschiedenfarbige Beläge benutzen musste, wobei die Farben selbst nicht vorgeschrieben waren. Gleichzeitig wurde auch das Fußstampfen verboten.
Erfinderische Tischtennisspieler versuchten nun, die Regelung zu ihren Gunsten auszulegen und gingen mit Farbkombinationen wie orange-rot oder dunkelweinrot-schwarz an die Tische. Theoretisch spielten sie mit zwei farblich unterschiedlichen Belägen, doch in der Praxis waren diese Farben für den Gegner nicht zu unterscheiden.
Noch im Jahr 1984 wurde die Regel dahingehend verändert, dass die Farben der Beläge nunmehr keine gemeinsamen Komponenten mehr haben durften. Um allen Auslegungsstreitigkeiten ein Ende zu bereiten, – so war orange-grün nun eine verbotene Farbkombination wegen der gemeinsamen Farbkomponente gelb – wurde die Regel 1985 neu gefasst, so dass die Beläge ab dem 1. Juli 1986 bei internationalen Veranstaltungen leuchtend rot und schwarz sein mussten.

In den 1950er Jahren beklebten viele Aktive ihren Schläger nur mit einem 2 Zentimeter dicken Schaumstoffgummi. Neben den enormen Tempo- und Spinmöglichkeiten, die diese Beläge boten, störte unter anderem auch die Tatsache, dass beim Schlag kein Geräusch mehr erzeugt wurde, was bei den Gegenspielern häufig zu Koordinationsproblemen führte.
Daraufhin wurden diese Beläge im Jahr 1959 von der ITTF verboten und die maximale Belagdicke auf 4 Millimeter festgelegt.
Die Spieler klebten daraufhin auf die Schaumstoffschicht ein Noppengummi, wahlweise mit Noppen nach innen oder nach außen. Die maximale Dicke des Noppengummis beträgt 2 Millimeter, doch in der Regel ist diese Schicht bei Noppen-Innen-Belägen nur 1,6 bis 1,7 Millimeter dick, so dass für die Schwammunterlage 2,3 bis 2,4 Millimeter übrig bleiben.

In den Tischtennisregeln ist nicht zwingend vorgeschrieben, dass beide Schlägerseiten mit einem Belag beklebt sein müssen. Gerade Penholderspieler hatten früher meist nur einen Belag auf ihrem Schläger, doch mittlerweile wurden neue Schlagtechniken entwickelt, bei denen moderne Penholderspieler auch die Rückhandseite einsetzen, um Flips oder Topspins zu spielen.
Geschlagen werden darf der Ball allerdings nur mit der Seite, auf der der Belag aufgeklebt ist. Die andere Seite darf leer gelassen oder mit irgendeinem anderen Material wie Kork belegt werden. Aber auch für solch einen – eher ungewöhnlichen – Schläger gilt, dass die eine Seite leuchtend rot und die andere schwarz sein muss.

Grundsätzlich kann man die Beläge in zwei Gruppen einteilen, nämlich Noppen-Innen-Beläge und Noppen-Außen-Beläge. Beide Belagarten werden aber noch weiter unterteilt:


3.1 Noppen-Innen-Beläge

Noppen-Innen-Beläge sind im modernen Tischtennis am weitesten verbreitet, denn sie bestechen durch die Vielzahl der möglichen Spieleigenschaften.
Durch die Wahl einer geeigneten Mischung aus Natur- und Synthetikkautschuk kann man schnelle oder langsame, griffige oder weniger griffige Beläge herstellen. Je nach Dicke der Schwammunterlage und Beschaffenheit der Oberfläche kann man nun viel oder wenig Rotation oder viel oder wenig Geschwindigkeit erzeugen.
Mit griffigen Noppen-Innen-Belägen kann man dem Ball am besten Rotation verleihen, doch der Belag ist damit auch am empfindlichsten für gegnerische Spinbälle.

Belag - Noppen-Innen

Grafik: Noppen-Innen-Belag. Aus: Wikipedia. 23.5.2007.

Noppen-Innen-Beläge eignen sich sowohl für Angriffspieler, die dem Ball bei Topspins viel Rotation und Tempo geben wollen, als auch für Abwehrspieler, die damit viel Unterschnitt erzeugen wollen. Somit sind diese Beläge universell einsetzbar. In der Regel ist die Schwammunterlage bei Angriffsbelägen aber deutlich dicker (bis zu 2,6 Millimeter) als bei Abwehrbelägen.
Das moderne Offensivspiel in seiner heutigen topspinbetonten Ausprägung wäre ohne die Erfindung dieses Belagtyps überhaupt nicht möglich.


3.2 Anti-Topspin-Beläge

Diese Beläge haben ein hartes, sprödes Obergummi mit sehr kurzen und kleinen Noppen auf der Innenseite sowie eine weiche und grobporige Schwammunterlage.
Theoretisch zählen sie von ihrer Konstruktionsweise her zu den Noppen-Innen-Belägen, doch sie unterscheiden sich von ihren Spieleigenschaften so stark, dass man Anti-Topspin-Beläge in eine eigene Kategorie einordnen sollte.
Der „Anti“, wie er in Spielerkreisen bezeichnet wird, ist sehr unempfindlich für ankommende Rotation und eignet sich daher sehr gut zum Abwehren von Topspinbällen. Dies kann durch Blockbälle oder durch Unterschnittabwehr geschehen, wobei man mit diesem Material aber selbst keine oder nur sehr wenig Rotation erzeugen kann.

Belag - Anti-Topspin

Grafik: Anti-Topspin-Belag. Aus: Wikipedia. 23.5.2007.

Der Anti-Topspin-Belag ist eine Erfindung des österreichischen Tüftlers und Altinternationalen Toni Hold, der auch als erster Spieler Erfolge mit diesem Belag erzielen konnte. Der Engländer John Hilton wurde mit diesem Belag 1980 im schweizerischen Bern Europameister.

Nach anfänglich weiter Verbreitung unter Defensivspielern, wird dieser Belag heute mehr und mehr von langen Noppen verdrängt, weil sie mehr Möglichkeiten bieten, den Angriffspieler vor Probleme zu stellen und zu Fehlen zu verleiten.


3.3 Noppen-Außen-Beläge

Grundsätzlich kann man bei Noppen-Außen-Belägen zwischen kurzen und langen Noppen unterscheiden.


3.3.1 Kurze Noppen

Kurze Noppen haben eine Länge, die unter 0,9 Millimeter liegt.
Bei Belägen mit kurzen Noppen kommen bei der Konstruktion weitere Merkmale hinzu, die sich nicht direkt aus dem Namen ableiten lassen.
• der Belag wird aus hartem und festen Kautschukmaterial gefertigt
• die Trägerschicht (nicht der Schwamm) unter den Noppen wird dick ausgelegt
• die Noppen erhalten an der Basis einen großen Kegel, sind an dieser Stelle also nicht zylindrisch
• als Unterlage wird ein fester Schwamm verwendet

Die Kombination dieser Fertigungsmerkmale sorgt dafür, dass der Belag
• wegen der geringen Ballkontaktfläche nur wenig Rotation erzeugt
• gegen gegnerische Rotation relativ unempfindlich ist
• bei harten Schmetterbällen wegen der Verspannung der Trägerschicht und dem großen Druck auf die Schwammunterlage viel Tempo erzeugt
• die Ballkontaktzeit deutlich verkürzt

Belag - kurze Noppen

Grafik: Kurze Noppen. Aus: Wikipedia. 23.5.2007.

Kurze Noppen sind die geeignete Belagvariante für Spieler, die – unter weitgehendem Verzicht auf vorbereitende Topspinbälle – die Chance zum entscheidenden Schuss suchen. Im Offensivspiel erhält der Ball wegen der fehlenden Rotation durch den Magnus-Effekt (siehe Kapitel „Theorie“) eine gestreckte (kürzere) Flugbahn als ein Topspin. Allerdings kann der Ball eben wegen der geringeren Flugbahnkrümmung in vielen Fällen nicht auf die rein physikalisch mögliche maximale Geschwindigkeit beschleunigt werden, weil er sonst die gegnerische Tischhälfte nicht mehr treffen würde.
Obwohl gute Spieler auch mit diesen Belägen in der Lage sind, Rotation zu erzeugen, ist das Ergebnis nicht mit der Rotation zu vergleichen, die mit einem Noppen-Innen-Belag erzeugt werden kann.
Die Spieler der klassischen chinesischen Tischtennisschule, zum Beispiel Chuang Tse-Tung (Weltmeister 1961, 1963, 1965), benutzten dieses Material oder auch der Tscheche Milan Orlowski, der mit einem solchen Belag auf der Rückhandseite im Jahr 1974 in Novi Sad Europameister wurde.


3.3.2 Lange Noppen

Lange Noppen haben eine Noppenlänge von circa 0,9 bis 1,8 Millimeter. Bei einer Länge von 0,9 bis 1,3 Millimeter spricht man auch von mittellangen oder halblangen Noppen.

Merkmale eines Belages mit langen Noppen sind:
• der Belag wird aus weichem und nachgiebigem Kautschukmaterial hergestellt
• die Trägerschicht (nicht der Schwamm) unter den Noppen wird dünn ausgelegt
• die Noppen erhalten an der Basis fast keine Kegelform und sind nahezu zylindrisch
• als Schwammunterlage wird ein dünner und weicher Schwamm verwendet
• die meisten Beläge mit langen Noppen sind auch ohne Schwammunterlage erhältlich

Die Kombination dieser Fertigungsmerkmale sorgt dafür, dass die Noppen
• wegen der geringen Ballkontaktfläche und der geringen Stabilität der Noppen nur wenig Spin erzeugen können
• gegen ankommende Rotation relativ unempfindlich sind
• bei tangentialem Treffen des Balles abknicken und die Rotation des ankommenden Balles nahezu unverändert zurückgeben, was bedeutet, dass wegen der Umkehr der Flugrichtung Überschnitt zu Unterschnitt wird und umgekehrt
• sich bei zentralem Treffen des Balles komprimieren und etwa wie kurze Noppen reagieren, also die Rotation aus dem Ball herausnehmen oder in geringerem Maße selbst Rotation erzeugen

Diese Eigenschaften machen den Ball für den Gegner schwer berechenbar. Die konkrete Ausprägung der Eigenschaften hinsichtlich Spin und Elastizität hängt nicht nur von der Form, sondern auch stark von der Kautschukmischung und der Art der Herstellung – insbesondere der Oberflächenbehandlung – ab und kann von Produkt zu Produkt variieren.

Belag - lange Noppen

Grafik: Lange Noppen. Aus: Wikipedia. 23.5.2007.

Speziell in unteren Klassen fehlt den Spielern häufig das nötige theoretische Grundwissen über die Spieleigenschaften dieser Beläge oder die Übung, gegen diese Art von Belägen zu spielen.

Lange Noppen kann man wiederum noch in zwei Arten unterteilen:

a) Glatte lange Noppen
Bei dieser Noppenart wurde die Oberfläche bei der Produktion so bearbeitet, dass ihre Griffigkeit stark reduziert wurde. Die Noppenköpfe – und zum Teil auch die Noppenhälse – sind sehr glatt und ein Ball kann fast reibungslos über den Belag gezogen werden.
Mit glatten langen Noppen kann man fast keine eigene Rotation erzeugen, doch die ankommende Rotation wird im Gegenzug auch kaum vermindert. Die Rotationsrichtung ändert sich beim Schlag nicht. Da sich aber die Flugrichtung des Balles ändert, wird aus Überschnitt dann Unterschnitt und umgekehrt. Dieser Effekt wird auch als Schnittumkehr bezeichnet.

b) Griffige lange Noppen
Lange Noppen mit normal griffiger Oberfläche werden in der Regel von Abwehrspielern verwendet. Durch tangentiales Treffen des Balles – vornehmlich in der Unterschnittabwehr –kann mit diesem Belag sehr viel Rotation erzeugt werden.
Beim Blocken knicken die Noppen dagegen schnell um und der Ball wird schnittarm oder ganz ohne Schnitt zurückgespielt.


3.3.3 Noppengummi

Schließlich gibt es noch schwammlose Noppengummis mit kurzen Noppen, die immer außen sind. Der Kautschuk wird hier häufig mit einer Textillage verklebt. Diese Beläge sind extrem langsam und für ankommende Rotation äußerst unempfindlich, wodurch sich die Bälle sehr gut kontrollieren lassen.
Über viele Jahrzehnte hinweg war dies das einzige Belagmaterial, mit dem Tischtennis gespielt wurde.
Der gebürtige Ungar und 23-fache Weltmeister Victor Barna, der später für Großbritannien antrat, spielte mit solch einem Belag. Unter seinem Namen wurde auch ein Noppengummi vermarktet, so dass „Barna“ geradezu ein Synonym für Noppengummi beziehungsweise Noppengummi-Schläger wurde. Auch das Barna-Schlägerholz – ein 3fach Furnier aus Buche und Esche, welches durch seine etwas kopflastige Gewichtsverteilung besonders gut für das Spiel mit Noppengummi geeignet war – ist unter älteren Tischtennisspielern bis heute eine Legende.

Belag - Noppengummi

Grafik: Noppengummi. Aus: Wikipedia. 23.5.2007.

Die Bedeutung des Noppengummis ist seit der Erfindung des Sandwich-Belages (Schwammunterlage plus Gummioberfläche) stark rückläufig und hat im modernen Tischtennis allenfalls noch als Variante mit langen Noppen eine kleine Bedeutung. Die Möglichkeiten, den Ball zu beschleunigen und ihm Rotation zu verleihen, sind einfach zu begrenzt.
Dennoch haben gerade jüngere Spieler gegen die so genannten „Brettchen-Spieler“ häufig große Probleme, weil sie die Spieleigenschaften dieses Materials nicht kennen und ihnen die nötige Spielpraxis gegen diese Beläge fehlt.
Auch heute noch finden vor allem in den USA und in der Bundesrepublik Deutschland „Brettchen-Turniere“ (Englisch: „hardbat“) statt, bei denen nur Schläger mit Noppengummi erlaubt sind.


3.4 Kombischläger

Kombischläger vereinen die unterschiedlichen Belagarten, nämlich Noppen-Innen- und Noppen-Außen-Beläge.
Durch schnelles Drehen des Schlägers wird der Gegner über die aktuelle Rotation im Unklaren gelassen. Zumindest aber muss er einen großen Teil seiner Aufmerksamkeit darauf verwenden, diesen Finten angemessen zu begegnen.

In Deutschland machte Engelbert Hüging den Kombischläger populär, als er 1978 mit solch einem Schläger in Lübeck Deutscher Meister wurde.
In der Weltspitze gibt es heute kaum noch Akteure, die mit Noppen-Außen-Belägen spielen, da man die Rotation nur sehr unzureichend selber beeinflussen kann und somit darauf angewiesen ist, wie viel Rotation der Gegner dem Ball verleiht.


3.5 Spiel gegen Material

Beim Spiel gegen Material sind besonders die langen Noppen gefürchtet. Dies muss aber nicht sein, denn physikalische Gesetze können die langen Noppen auch nicht aufheben. Versteht man, wie das Material seines Gegners funktioniert, so kann man dies für seine eigene Erfolgsstrategie nutzen.
Dazu muss man wissen, welche Auswirkungen die langen Noppen auf den Ball haben. Durch die geringe Berührungsfläche mit dem Ball, die nicht oder kaum griffige Oberflächenstruktur und das typische Abknicken der weichen Noppen, entstehen im Wesentlichen folgende drei charakteristischen Effekte:
• Schnittverstärkung
• Schnittumkehr
• veränderte Flugbahn

Lange Noppen neutralisieren die ankommende Rotation beim Kontakt mit dem Schläger. Im Gegensatz zum Anti-Spin-Belag wird die Rotation aber nicht aus dem Ball genommen, sondern noch eher verstärkt. Spielt man also mit viel Rotation auf lange Noppen, erhält man die gleiche oder noch mehr Rotation zurück. Spielt man dagegen ohne oder mit sehr wenig Rotation, kommt auch entsprechend wenig Drall zurück.
Bei einem Schlag mit langen Noppen bleibt die Rotation des ankommenden Balles erhalten. Weil sich jedoch die Flugrichtung des Balles ändert, kehrt sich für den Kontrahenten die enthaltene Rotation in ihr Gegenteil um. Schupf auf Schupf erzeugt folglich Oberschnitt und nicht Unterschnitt. Spielt ein Sportler mit langen Noppen einen Block auf einen Topspin, so kommt der Ball mit Unterschnitt und nicht mit Oberschnitt zurück.
Häufig hört man von Spielern, die gegen Material spielen müssen, den Satz: „Der Ball flattert.“ Physikalisch ist dies bei der Flugbahn eines Balles überhaupt nicht möglich. Stattdessen ist die Flugkurve anders als es die Spieler erwarten und sonst von Noppen-Innen-Belägen gewohnt sind. Es kommt zu einer optischen Täuschung und einer Fehleinschätzung der Antizipation, was auf zwei Effekten beruht. Zum einen entsteht durch das Abknicken und Wiederaufrichten der Noppen eine katapultartige Beschleunigung. Zum anderen fehlt den Bällen häufig der stabilisierende Flugfaktor Rotation, wodurch der Ball scheinbar beim Überwinden des Luftwiderstandes flattert.


3.6 Taktik gegen Material

Ein großer Nachteil der langen Noppen ist, dass sich ein Gegenspieler auf die ankommende Rotation eines Noppenspielers einstellen kann, wenn er dabei seinen vorherigen Ball berücksichtigt. Dazu muss er nicht einmal genau auf die Schlagbewegung des Noppenspielers achten, denn sein eigener Schnitt kommt immer als Umkehrschnitt zurück.
Der größte Vorteil der Noppenspieler ist dagegen, dass die meisten Spieler es nicht gewohnt sind, gegen sie zu spielen. Bei Turnieren oder Meisterschaftsspielen haben sie also das Überraschungsmoment auf ihrer Seite. Um diesen Vorteil auszugleichen, hilft nur ein regelmäßig Training.
Grundlage für das Spiel gegen Noppen ist ein sicherer Schupfball. Zu beachten ist, dass Schupfbälle, die von langen Noppen kommen, keinen Unterschnitt haben. Daher darf man beim Rückschlag das Schlägerblatt nicht so weit öffnen wie gewohnt, damit der Ball nicht zu hoch abspringt. Von Vorteil ist auch, wenn man den Ball erst etwas später annimmt.
Will man angreifen, so bietet sich die beste Möglichkeit nach einem eigenen – möglichst langen – Schupfball. Kommt der Ball dann zurück, so muss der Topspin wegen des mangelndes Unterschnitts nach vorne gezogen werden. Vielfach ist es sogar leichter, direkt einen Schuss zu spielen. Nadine Sillus, dreifache westdeutsche Meisterin im Schülerinnen-Einzel, brachte es auf die wirkungsvolle Regel: „Mit viel Schnitt auf die Noppen spielen und dann einfach draufhauen!“
Bringt der Noppenspieler den Topspin zurück, so ist Unterschnitt im Ball. Ein Topspin ist jetzt schwieriger, so dass sich zur Sicherheit wieder ein Schupfball anbietet, bis man erneut angreift. Der Wechsel zwischen Schupf und Topspin ist eine einfache Strategie, die die eigene Fehlerquote gering hält. Um den Noppenspieler vor Probleme zu stellen, sollte der Angriffsspieler unregelmäßig angreifen und seine Schläge über der gesamten Tischbreite verteilen.
Sichere Topspinspieler können auch mehrere Angriffsbälle hintereinander ziehen. Bedenken muss man dabei aber, dass nach dem ersten Topspin, der nach vorne gezogen werden muss, die weiteren Bälle wegen des ankommenden Unterschnitts mehr nach oben gezogen werden müssen.
Trifft man als Angreifer auf einen Materialspieler, der einen Kombischläger (Noppen-Innen-Belag/lange Noppen) benutzt, bestehen verschiedene taktische Möglichkeiten. Zum einen kann man versuchen, möglichst rotationsarm anzugreifen, um den gegnerischen Unterschnitt zu vermeiden. Dies ist durch Überrollaufschläge, rotationsarme Topspins (Hebetopspins) oder Schüsse möglich. Zudem ist die Ballkontrolle für den Noppenspieler bei rotationsarmen Bällen schwieriger, so dass sich zwangsläufig Chancen für Angriffsschläge ergeben.
Zum anderen kann man als sicherer Topspinsspieler mehrfache auf die Unterschnittbälle von der Noppenseite angreifen, um dann um dann mit einem effetreichen Ball auf den Noppen-Innen-Belag zu wechseln. Dieser ist für den Materialspieler nur schwierig zu kontrollieren. Häufig bietet sich im beim folgenden Schlag die Möglichkeit auf einen Punktgewinn.
Schließlich kann man im 1:1-Rhythmus angreifen. Dies bedeutet, dass man abwechselnd zwischen Außenseiten und Ellenbogen wechselt. Streut man zusätzlich noch ab und zu einen Stoppball ein, so muss der Noppenspieler nicht nur seitliche Laufwege vollziehen, sondern auch tischnahe und tischferne Distanzen überbrücken.


3.7 Die wichtigsten Schlagkombinationen gegen Materialspieler

• Schupf gegen Noppen-Schupf: der eigene Unterschnitt kommt als Oberschnitt zurück
• Topspin gegen Noppen-Unterschnittabwehr: der eigene Oberschnitt kommt als Unterschnitt zurück
• Tospin gegen Noppen-Block: der eigene Oberschnitt kommt als Unterschnitt zurück
• Block gegen Noppen-Topspin: da beim Angriffsschlag (Topspin) mit einem Noppenbelag praktisch keine Rotation erzeugt wird, besteht bei einem geschlossenen Schlägerblatt die Gefahr, dass der Ball beim Block ins Netz fällt


4. Frischkleben

Frischkleben bedeutet, den Gummibelag erst kurz vor Spiel- oder Trainingsbeginn auf das Schlägerholz zu kleben.
Entstanden ist das Frischkleben Mitte der 1980er Jahre. Für einige Zeit war es nur der Weltspitze vorbehalten, doch schon bald verbreitete sich das Frischkleben bis in die untersten Spielklassen. Besonders bei Schüler- und Jugendspielern ist es sehr beliebt, weil frisch aufgeklebte Beläge im Balltreffpunkt einen hellen Ton erzeugen, der in Spielerkreisen als „Sound“ bezeichnet wird.
Beim Frischkleben werden Klebstoffe verwendet, die den Belag griffiger und elastischer machen, wodurch er schneller wird und mehr Rotation erzeugen kann. Diese Klebstoffe haben einen hohen Lösungsmittelanteil. Der Belag wird dann noch feucht auf das Holz geklebt. Die Lösungsmittel des Klebers (in der Regel Waschbenzine) diffundieren dann durch den Belagschwamm und verändern dadurch die Spieleigenschaften des Belages.
Die Noppendecklage quillt auf und wird elastischer. Durch die größere Beweglichkeit der Decklage auf der aufgequollenen Schaumgummiunterlage kommt es bei tangentialen Schlägen, zum Beispiel Topspins, zu einer Materialverspannung, die den Ball nach einer längeren Ballkontaktphase eine größere Geschwindigkeit und vermehrt Rotation verleiht.
Das Frischkleben hat zwar positive Spieleigenschaften für den Belag, doch unter diesem Verfahren erhöht sich durch das ständige Aufkleben und Ablösen der Materialverschleiß gewaltig. Um wenigstens die Haltbarkeit des Schlägerholzes beizubehalten, wird dieses in der Regel durch eine Lackierung versiegelt.

Frischkleben

Neben dem erhöhten Materialverschleiß besteht durch das Frischkleben auch ein gesundheitliches Problem. Giftige Lösungsmittel werden durch das Kleben in Hallen und Umkleideräumen freigesetzt, weswegen in den 1980er Jahren verwendete Lösungsmittel wie Benzol, Trichlorethylen und andere aromatische Kohlenwasserstoffe heute verboten sind.
Aus dem Grund der Gesundheitsgefährdung hat die ITTF mit Wirkung ab September 2006 das Frischkleben in umschlossenen Räumen gänzlich verboten.
Ab September 2008 ist dann das Kleben mit Frischkleber über einem bestimmten Lösungsmittelwert komplett verboten. Ein Verbot, welches ursprünglich bereits für das Jahr 2006 angestrebt war, doch am Rande der Tischtennisweltmeisterschaft 2006 in Bremen wurde durch die ITTF das Klebeverbots bis nach den Olympischen Spielen 2008 in Peking verschoben.


5. offizielle Zulassung

Seit dem 1. Januar 1982 durften bei internationalen Turnieren nur solche Beläge benutzt werden, die vom Tischtennis-Weltverband ITTF zugelassen waren. Die zugelassenen Beläge wurden in einer Liste aufgeführt, die unter anderem den Hersteller, die Farbe des Belages, die Farbe des Schwammes und den Typ des Belages (Noppen innen oder außen, lange oder kurze Noppen, Noppengummi, Anti-Spin-Belag) beinhaltete.
Bis zum Jahr 2000 gab es beim DTTB ein offizielles Zulassungsverfahren für Tischtennisschläger. Dieses wurde jedoch abgeschafft und seitdem ist die Zulassungsliste der ITTF bindend. Die Liste wird regelmäßig aktualisiert und als pdf-Datei auf der Seite des DTTB (http://www.tischtennis.de) veröffentlicht. Man findet die Liste unter der Rubrik „Für Aktive“ und dann unter „Material“.

In Abschnitt 4 des Regelhandbuches wird der Tischtennisschläger behandelt. Aus diesem sind die folgenden Bestimmungen entnommen:

1. Größe, Form und Gewicht des Schlägers sind beliebig. Das Blatt muss jedoch eben und unbiegsam sein.

Schlägerformen

2. Mindestens 85 % des Blattes, gemessen an seiner Dicke, müssen aus natürlichem Holz bestehen. Eine Klebstoffschicht innerhalb des Schlägerblattes darf durch Fasermaterial wie Kohlenstofffaser, Glasfaser oder komprimiertes Papier verstärkt sein. Sie darf jedoch nicht mehr als 7,5 % der Gesamtdicke oder mehr als 0,35 mm ausmachen – je nachdem, was geringer ist.
3. Eine zum Schlagen des Balls benutzte Seite des Blattes muss entweder mit gewöhnlichem Noppengummi (Noppen nach außen. Gesamtdicke einschließlich Klebstoff höchstens 2 mm) oder mit Sandwich-Gummi (Noppen nach innen oder nach außen, Gesamtdicke einschließlich Klebstoff höchstens 4 mm) bedeckt sein.
3.1 Gewöhnlicher Noppengummi ist eine einzelne Schicht aus nicht zellhaltigem (das heißt, weder Schwamm- noch Schaum-) Gummi – natürlich oder synthetisch – mit Noppen, die gleichmäßig über seine Fläche verteilt sind, und zwar mindestens 10 und höchstens 50 pro Quadratzentimeter.
3.2 Sandwich-Gummi ist eine einzelne Schicht aus Zellgummi (das heißt, Schwamm- oder Schaumgummi), die mit einer einzelnen äußeren Schicht aus gewöhnlichem Noppengummi bedeckt ist. Dabei darf die Gesamtdicke des Noppengummis nicht mehr als 2 mm betragen.
4. Das Belagmaterial muss das Blatt völlig bedecken, darf jedoch nicht über die Ränder herausstehen. Der dem Griff am nächsten liegende Teil des Blattes, der von den Fingern erfasst wird, darf unbedeckt oder mit einem beliebigen Material bedeckt sein.
5. Das Blatt selbst, jede Schicht innerhalb des Blattes und jede Belag- oder Klebstoffschicht müssen durchlaufend und von gleichmäßiger Dicke sein.
6. Beide Schlägerseiten – unabhängig davon, ob ein Belag vorhanden ist oder nicht – müssen matt sein, und zwar auf der einen Seite leuchtend rot, auf der anderen schwarz.
7. Geringfügige Abweichungen von der Vollständigkeit des Belages oder der Gleichmäßigkeit seiner Farbe, die auf zufällige Beschädigung, auf Abnutzung oder Verblassen zurückzuführen sind, können zugelassen werden, sofern die die Eigenschaften der Oberfläche nicht entscheidend verändern.
8. Vor Spielbeginn muss der Spieler seinem Gegner und dem Schiedsrichter den Schläger zeigen, mit dem er spielen will, und muss ihnen gestatten, den Schläger zu untersuchen.
9. Das Wechseln des Schlägers/Belages während des Spiels ist grundsätzlich verboten. Ausnahme: Der Schläger wurde während des Spiels beschädigt. Eine mutwillige Zerstörung bzw. Beschädigung des Schlägers/Belages ist davon allerdings ausgenommen.

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