Gedicht
Wilhelm Busch - Nur kein Ehrenamt
Willst du froh und glücklich leben,
lass kein Ehrenamt dir geben!
Willst du nicht zu früh ins Grab,
lehne jedes Amt glatt ab!
So ein Amt bringt niemals Ehre,
denn der Klatschsucht scharfe Schere
schneidet boshaft dir schnipp-schnapp,
deine Ehre vielfach ab.
Wie viel Mühe, Sorgen, Plagen,
wie viel Ärger musst du tragen,
gibst viel Geld aus, opferst Zeit,
und der Lohn? Undankbarkeit!
Selbst dein Ruf geht dir verloren,
wirst beschmutzt vor Tür und Toren,
und es macht ihn oberfaul
jedes ungewasch’ne Maul!
Ohne Amt lebst du so friedlich
Und so ruhig und gemütlich.
Du sparst Kraft und Geld und Zeit,
wirst geachtet weit und breit.
Drum, so rat ich dir im Treuen:
Willst du Weib und Kind erfreuen,
soll dein Kopf dir nicht mehr brummen,
lass das Amt doch and’ren Dummen!
Das Gedicht „Nur kein Ehrenamt“ soll auf den deutschen Dichter, Zeichner und Maler Wilhelm Busch zurückgehen, der am 15. April 1832 in Wiedensahl geboren wurde und am 9. Januar 1908 in Mechtshausen verstarb. Sicher sind sich die Experten allerdings nicht.
Wilhelm Busch studierte von 1851 bis 1854 an den Akademien Düsseldorf, Antwerpen und München und machte eine Ausbildung zum Kunstmaler. In den bildlichen Darstellungen zu seinen eigenen, häufig oft stark satirischen Verserzählungen, schildert er das biedermeierliche Kleinbürgertum. Zu seinen bekanntesten Werken zählen „Max und Moritz“ (1865) und „Die fromme Helene“ (1872).